Mit dem Blick einer Malerin - Wenn ein Bild das Atelier verlässt
Mit dem Blick einer Malerin
Wenn ein Bild das Atelier verlässt
Die Vorbereitungen für meine Ausstellung im Sternen Detligen ab dem 03.10.2026 laufen.
Nach und nach füllt sich mein Atelier mit gerahmten Bildern. Doch bevor sie an einer Wand hängen und betrachtet werden können, gibt es einen Moment, den kaum jemand sieht.
Ich hole die grossen Rahmen im Fachhandel ab.
Ich lade sie sorgfältig ins Auto.
Fahre nach Hause.
Trage sie ins Atelier.
Dort stehen sie zuerst einfach da.
Leer.
Und genau dort beginnt für mich ein ganz besonderer Teil meiner Arbeit.
Von Hand reisse ich schmale Streifen aus Japanpapier.
Schneide den Rückwandkarton von Hand zu.
Markiere die genaue Position des Bildes.
Dann lege ich alles wieder zur Seite.
Ich mache eine Pause.
Denn das Einrahmen ist für mich kein Arbeitsschritt, den ich möglichst schnell erledigen möchte.
Es ist ein stiller Vorgang.
Ein achtsamer.
Ich befestige jedes Aquarell in einer Float-Mount-Hängung. Nicht nur, weil diese Technik das Papier schützt. Sondern auch, weil der feine Büttenrand sichtbar bleiben darf. Er gehört für mich zum Bild – genauso wie die Farbe oder die Linie.
Es gibt keinen Zeitdruck.
Nur Ruhe.
Und das Gefühl, einem Bild den letzten Schliff zu geben.
Zum Schluss bringe ich auf der Rückseite mein Siegel an.
Daneben mein Kürzel.
Es sind kleine Handgriffe.
Und doch bedeuten sie mir viel.
In diesem Moment wird mir bewusst, dass das Bild bald mein Atelier verlassen wird.
Vielleicht ist das Einrahmen der stillste Teil des Malens.
Nicht, weil dabei nichts geschieht.
Sondern weil aus einem Werk, das mich über Tage oder Wochen begleitet hat, langsam etwas Eigenständiges wird.
Es beginnt seine Reise.
Und ich darf es loslassen.
Bis nächsten Samstag – mit dem Blick einer Malerin.
